Montag, 14. Februar 2022

Oman Roadtrip: Bimmah Sinkhole

Das Bimmah Sinkhole ist einfach zu erreichen und dementsprechend eine der bekannteren Attraktionen im Oman. Lustigerweise ist das Bimmah Sinkhole besonders als Insta - Spot beliebt: der Ort kann je nach Blickwinkel spektakulär gezeigt werden - und türkisblaues Wasser zieht natürlich immer!

 
Leider habe ich schon gehört, dass hier teilweise auch Ortsunkundige es den Einheimischen nachmachen und für das perfekte Bild oder Video von den Kanten in die Tiefe springen. Nicht nur gefährden sie sich damit selbst, denn es besteht die Chance, im seichten Wasser oder gar auf Schutt aufzuprallen, sondern sie gefährden durch losgetretene und hinabfallende Steine auch andere Menschen unten im Sinkhole. Dummheit kennt manchmal keine Grenzen - und keine Zäune.


Etwas unromantisch gesagt, ist das Sinkhole eine mit Schutt und Wasser gefüllte eingestürzte Doline. Der Arabische Name Hawiyat Najm (Nadschm) - auf Deutsch: Sternschnuppe - verweist hingegen auf die Legende, wonach das riesige Loch im Gestein durch den Einschlag eines Meteorien entstanden sein soll.

Besucher loben das Schwimmen im erfrischenden Wasser und die Fischchen, welche einem manchmal wie im Fish-Spaa an den Füssen knabbern.

Selbst finde ich das Bimmah Sinkhole vor allem aus geologischer Sicht sehr spannend (dazu später mehr) und habe hier deshalb auf dem Weg in Richtung Süden sehr gerne einen Zwischenstopp eingelegt. 


Genau dafür eignet sich das Sinkhole meiner Meinung nach perfekt: als Ergänzung eines Ausfluges (zB Wadi Tiwi, Wadi Shab oder Wadi al Arbeieen) oder als Zwischenhalt zB unterwegs von Muscat in Richtung Sur oder zur Wahiba Wüste.

Wo befindet sich das Bimmah Sinkhole? Tatsächlich habe ich schon die Beschreibung "bei Muscat" wie auch "bei Sur" gelesen. 

In Wirklichkeit findet ihr den Spot beim Dorf Bimmah ca. 130km / etwa 1 Stunde und 20 Minuten südlich von Muscat oder ca 77km / etwa 1 Stunde nördlich von Sur entlang der Schnellstrasse, welche die beiden Städte verbindet. Das ist gleichzeitig ungefähr 25 Minuten Fahrt / 33 Kilometer nördlich von Wadi Tiwi und Wadi Shab entfernt.

Rund um das Sinkhole herum wurde vor einigen Jahren ein Zaun gezogen und ein kleiner Park angelegt. Selbst ein Spielplatz ist vorhanden, und - immer gut zu wissen! - eine öffentlich zugängliche Toilettenanlage. Das Zugangstor ist jeweils von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends offen und bisher wird für die Natur-Attraktion kein Eintritt verlangt

So eignet sich der Hawiyat Najm (Sink Hole) Park auch gut als Zwischenhalt zum Beispiel für eine Pause auf einer längeren Fahrt mit Kindern. Allerdings muss ich sagen: bei unserem Besuch hat die Sonne richtig heiss gebrannt und die Palmen sahen zwar hübsch aus, haben jedoch kaum Schatten geboten.


Das Sinkhole selbst ist bequem zugänglich über eine etwas steile aber stabile Betontreppe mit Geländer.


Wie vorher schon erwähnt, ist das Bimmah Sinkhole eine Doline mit einem Durchmesser von etwa 40 Metern und einer Tiefe von ca 20 Metern. (Die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle etwas)

Die Doline liegt etwa 500 Meter vom Meer entfernt und ist entstanden durch den Einbruch des Deckgesteins einer Höhle im hier vorherrschenden, löchrigen Kalkstein. Auch heute noch ist das Bimmah Sinkhole durch ein Höhlensystem mit dem Meer verbunden, der Ausgang liegt in etwa 60 Metern Tiefe und darf deshalb nur von ausgebildeten Höhlentauchern erkundet werden.
(Quelle der Geologischen Informationen: Wikipedia)

 


Das Wasser im Loch ist Meerwasser vermischt mit Grundwasser - und daher weniger salzig als das offene Meer.


Auch wenn das Bimmah Sinkhole teilweise ein wenig wirkt wie ein Tümpel in einer kleinen Kiesgrube, liegt darunter so viel mehr! Selbst, was wir von oben als "Boden" wahrnehmen, ist demnach nicht überall der Grund, sondern teilweise nur eine Wasserschicht mit kürzeren Sichtweiten, während das Wasser darunter wieder klar ist. Ob sich die hier Badenden dessen bewusst sind?


Auch auf dem Rückweg durch den gepflegten Park begleitete mich nun der Gedanke: Bestimmt befinden sich unter meinen Füssen weitere Höhlensysteme im Kalkstein, geflutet vom hier nicht einmal sichtbaren, einige hundert Meter weit entfernten Meer. 

Nicht alle Geheimnisse und Schönheiten der Erde sind immer auf den ersten Blick erkennbar. Manche sind gut versteckt, kaum vorstellbar unter der Oberfläche unseres "ich glaube nur, was ich sehe". 

In diesem Sinne passt vielleicht der mystische arabische Name: Hawiyat Najm "Sternschnuppe" tatsächlich besser, als einfach "Sinkhole".

Alle weiteren Etappen meiner Oman-Reisen und damit viele Ziele, die sich mit dem Bimmah Sinkhole gut verbinden lassen, findet ihr hier:

Oman Roadtrip: Eine abenteuerliche Traum-Reise durch das ganze Land

Liebe Reisegrüsse
Miuh

P.S. Gerne zeige ich den schönen Ausflug zum Bimmah Sinkhole auch beim Schilderwald und beim Freutag.

Sonntag, 6. Februar 2022

Oman Roadtrip: Gemischte Gefühle im Hotel Kempinski Muscat

Anlässlich unserer dritten Reise in den Oman wollten wir ein neues Hotel in Muscat ausprobieren: das damals eben fertig gestellte und eingeweihte Kempinski. Die Bilder in den Prospekten und auf der Homepage waren spektakulär, der Name Kempinski vielversprechend legendär, die Preise selbst für die günstigeren Zimmer teuer - und unsere Erwartungen entsprechend hoch. 

Hohe Erwartungen sind bekanntlich "gefährlich": früher oder später folgen oft Enttäuschungen...

Zuerst einmal waren wir aber tatsächlich schwer beeindruckt: Der Eingangsbereich ist in meinen Augen architektonisch eine Wucht! Es ist schwierig zu beschreiben, was es alles ausmacht: vielleicht die Grösse, die mächtigen Säulen gepaart mit filigranen Mustern, das Licht, die kompromisslose Ausrichtung auf das grosse Fenster ganz am Ende der Halle mit Blick auf den Pool und das Meer... Arabische Tradition ergänzt mit moderner Leichtigkeit.

 


Gewählt hatten wir das Hotel schlussendlich vor allem aus zwei Gründen: 

Erstens: Die Lage in der Nähe des Flughafens (da wir am nächsten Tag zurückfliegen mussten) sowie in Gehdistanz zur Al Mouj Marina, von wo wir jeweils zu den Daymaniyat Islands starten.

Die Flughafennahe Lage stimmte tatsächlich: Aus unserem Zimmerfenster konnten wir über den Hinterhof hinweg den Flugzeugen in der Ferne beim Starten zuschauen. Erst ärgerte ich mich ein wenig über die Hinterhof-Sicht, doch ich musste mir eingestehen: Hey, wir haben mit ca. 400 CHF die billigsten Zimmer des Hotels gebucht! Wer, wenn nicht wir sollte die Hinterhof-Zimmer erhalten. Egal: die meiste Zeit wollten wir ja sowiso draussen verbringen.


Eine "Palme" hinter unserem Zimmer brachte mich zum schmunzeln: eine wirklich schön getarnte Telefon? - Antenne.

Das zweite Argument für das Kempinski: Der Pool schien noch spektakulärer als die restliche Architektur! Nicht nur ein "infinity Pool" im klassischen Sinne, sondern tatsächlich ein Pool, der zur Hälfte ins Meer hinaus gebaut war. Einen solchen Pool kannte ich bisher so ähnlich nur von zwei Orten: den legendären Bondi Icebergs Pool in Sydney sowie ein Pool in den Felsen unter der Hafenpromenade von Sliema auf der Insel Malta - keiner davon lag jedoch am Strand oder gehörte zu einem Hotel. Ein Foto des aussergewöhnlichen Kempinski-Pools findet ihr HIER.

Selbst ist mir leider kein so spektakuläres Foto des Pools gelungen. Am Strand haben wir den Pool gesucht und irgendwann ist uns bewusst geworden: Hinter den Sonnenschirmen (etwa in der Bildmitte), eingebettet ins Hotelgebäude, da ist der Pool. Nicht halb ins Meer ragend, sondern einfach ein "normaler" Hotelpool.

Dass ein ambitioniertes Projekt einmal nicht realisiert werden kann, verstehe ich gut. Dass aber auch Wochen nach der Fertigstellung des tatsächlichen Pools noch mit Bildern eines nie gebauten Projektes geworben wurde, fand ich weniger toll.

Der Pool selbst war zwar nicht besonders spektakulär aber schön, gross und klar. Auch hier mit Blick auf das Hotel (im oberen Teil hinter der Glasfront befindet sich die Eingangshalle) seht ihr die Geometrie des ganzen Baus, den schönen modern-arabischen Stil.

Es wurde Zeit, endlich etwas zu essen, wir waren früh aufgestanden und nach einem spannenden Morgen in Nizwa direkt zum Hotel Kempinski in Muscat gefahren.

Im kleinen Bistro des Hotels war nicht allzuviel los, dennoch dauerte es eine Weile, bis wir überhaupt eine Menükarte erhielten. Schnell hatten wir etwas feines ausgesucht und freuten uns schon darauf. Der Hunger war grösser geworden und wir versuchten zu bestellen... Vom Personal war jedoch niemand mehr zu erreichen, so viel wir auch versuchten, auf uns aufmerksam zu machen. Allzu schüchtern sind wir ja normalerweise auch nicht, aber nach einem kurzen "just a moment" war vom Personal gar niemand mehr zu sehen.

Gerne hätten wir hier mit Blick auf den Pool und das Meer gegessen und nach über einer Stunde sinnlosem Warten hatte ich mittlerweile SO RICHTIG Hunger. 

Wir beschlossen schliessich, im Hotelzimmer die Äpfel, Cracker, Nüsschen und Softdrinks zu holen, welche wir im vorherigen Hotel noch erhalten und glücklicherweise mitgenommen hatten.

In der Lobby begegnete ich dem Service Manager und informierte ihn - nicht böse, sondern als Input zur Verbesserung. Er versprach, uns eine besondere Überraschung zur Wiedergumachung ins Zimmer liefern zu lassen. 

Also, los in Richtung Strand mit unserem kleinen Pick-Nick...

Am Strand wurde uns nach längerem Warten und Prüfen der Buchungen eine Liege zugewiesen. Kaum hatten wir es uns bequem gemacht, wurden wir von einem anderen, sehr wütenden und unhöflichen Hotelgast beschimpft: was uns eigentlich in den Sinn käme, einfach SEINE Liege zu nehmen? Auch hier schien die Organisation des Hotels noch nicht wirklich zu funktionieren - unangenehm und nicht gerade entspannend für uns und den anderen Hotelgast...

Auf der anderen Seite wurden noch die letzten Zimmer fertig gebaut, so dass wir uns zwischenzeitlich fragten, was wohl erst mit der Organisation von Restaurants, Liegeplätzen, usw. passieren wird, wenn das Hotel einmal ganz fertig und ausgebucht sein würde?

 
Gegen Abend ging es zurück ins Hotel. Ein wenig neugierig waren wir schon, welche Überraschung wohl im Zimmer auf uns warten würde?

Wir fanden ein hübsches, kleines Kartonschächtelchen auf dem Salontisch. Darin schön sortiert vier Datteln. Leider war keine Karte dabei, so dass wir nicht herausfinden konnten, ob dies nun die spezielle Überraschung war, oder der übliche Gute Nacht-Gruss? 


Da wir am Morgen in Nizwa gerade noch zwei Kilo Datteln zu ca. 1.20 Omani Rial pro kg gekauft hatten, haben uns die vier hübsch abgezählten und sorgfältig verpackten Mandeln zuerst irritiert. Sie haben uns aber auch unser Lachen zurückgegeben und hey, "wer die Dattel nicht ehrt, ist die Gastfreundschaft nicht wert", oder?

Da es zum Mittagessen nicht viel mehr als einen Apfel, ein paar Cracker und Nüsschen gegeben hatte, wollten wir am Abend endlich richtig schön und grosszügig essen gehen in einem der hoteleigenen Restaurants. 

Wir flanierten durch die Räume und bemerkten, dass es kein sehr grosses Vegi-Angebot gab: Ein, zwei Menüs im asiatischen Restaurant vielleicht. Leider wurde uns gesagt, dass das Restaurant komplett ausgebucht sei. Im Buffet-Restaurant hätte ich mich vom grünen Salat (und wahrscheinlich ein paar anderen Kleinigkeiten) am Buffet bedienen können - für umgerechnet ca 50 CHF. Und mal ehrlich, nur Salat hätte mich an dem Abend nicht ganz glücklich gemacht.


So ging es durch die Eingangshalle - die übrigens auch am Abend sehr beeindruckend wirkt! - hinaus in die Stadt, auf die Suche nach etwas feinem zu essen. Was zuerst ein Frust war (hungrig und nichts zu Essen in Aussicht? Grrr!) endete im al Mouj-Quartier mit der Entdeckung meines liebsten Restaurants: das Zahr-el-Laymoun (Libanesische Küche).

Der Abend, ja der ganze Tag war damit gerettet. Wann immer wir in Muscat sind, richte ich es seither irgendwie ein, dass wir das Restaurant besuchen und die feinen Libanesischen Leckereien geniessen können.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, um Fotos der beeindruckenden Hotelgebäude aufzunehmen, die ruhige Morgenstimmung zu geniessen und wieder einmal den Sonnenaufgang zu bewundern.


Anschliessend freuten wir uns auf ein gutes Frühstück und tatsächlich: das Buffet liess keine Wünsche offen an Vielfalt, frischem Essen, warmen und kalten, traditionellen und internationalen Gerichten... 

Mit viel Vorfreude stellten wir unsere Teller aus all diesen Leckereien zusammen. Um nur noch kurz ein Glas Saft zu holen stellten wir das Essen auf unserem Frühstückstisch ab und waren entsetzt, als wir uns wieder umdrehten: innert Sekunden nur war alles weg, übereifrig abgeräumt und wohl bereits weggeschmissen. Auch hier schien die Schulung und Organisation des Personals noch völlig inexistent. Es tat mir so leid um das feine Essen! So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Wir waren also gezwungen, unser Frühstück in "Schichten" zu holen und zu essen. Zuerst ging ich nochmals dem Buffet entlang und stellte mir wieder einen schönen, kleinen Teller zusammen. Während mein Begleiter sein Essen holte, sass ich am Tisch und "bewachte" meinen Teller. Auch so konnte ich nur knapp verhindern, dass mir der volle Teller unter der Nase weg abgeräumt wurde.


Langsam wurde es Zeit, Abschied zu nehmen. Nochmals zeigte sich eindrücklich, wie die Eingangshalle mit jeder Tageszeit, mit jedem Sonnenstand und dem sich verändernden Licht immer wieder anders wirkte.

Das damals neue Hotel Kempinski in Muscat verliessen wir mit gemischten Gefühlen. Die Architektur hat mir wie einiges Andere sehr gut gefallen. Anderseits hat bei unserem Aufenthalt zu vieles noch gar nicht gestimmt, vor allem was Service und Organisation betraf. Wir fühlten uns öfters wie Übungs-Gäste einer bis in die obersten Ränge komplett überforderten Crew - und dies bei vollen, recht stolzen Zimmerpreisen.

Der schöne, grosse, ebenfalls beeindruckende Vorplatz des Hotels mag ein Symbol dafür sein: hübsch, geometrisch perfekt, gestylt und  geputzt - aber das Herz fehlte noch ein wenig. Ich hoffe sehr, das hat sich in der Zwischenzeit geändert.


Mehr über unsere Reisen durch den Oman findet ihr hier:
Oman Roadtrip: Eine abenteuerliche Traum-Reise durch das ganze Land

Liebe Reisegrüsse

Miuh

Dienstag, 28. Dezember 2021

Geheimtippreisen - doppelter Jahresrückblick 2020 und 2021

Die Jahre 2020 und 2021 sind ganz anders verlaufen, als wohl wir alle es uns vorgestellt hatten! Wer hätte schon gedacht, dass wir praktisch alle Reisen zumindest für das erste halbe Jahr absagen und unsere Reisepläne für eine Weile begraben müssen? Dass stattdessen unser Leben zum Teil stark eingeschränkt wird durch Quarantäne, Social Distancing, Homeoffice, Zuhause bleiben, die Schliessung von Schulen, Grenzen, Parks, Restaurants, Läden und vielen weiteren Institutionen... Auch mein 2020 und 2021 hat das alles natürlich stark geprägt. Wie erstaunlich schnell sind die beiden Jahre für mich dennoch verflogen!


Wir mussten ab März 2020 innerhalb weniger Wochen schrittweise unser "normales" Leben, besonders aber auch unser Denken komplett umstellen. Mitgefühl und Schutz geben hiess nun nicht mehr, die Liebsten zu umarmen, sondern sie nicht mehr zu besuchen.


Es gibt für mich persönlich auch Positives zu berichten: schnell wurde mir damals klar, dass ich keinerlei Grund habe, mich zu beklagen: ich lebe mit meinem lieben Partner und süssen Katzen in einem gemütlichen Häuschen mit einem hübschen, kleinen Natur-Garten. Die Vorratskammer ist hier jederzeit gut gefüllt, es gibt immer etwas zu tun und das Frühlingswetter war 2020 prächtig. Ich erhielt die völlig unerwartete Chance in meinem Job das Homeoffice auszuprobieren und fand - nicht ganz unerwartet - Gefallen daran.  Dankbarkeit war deshalb in dieser Zeit das wichtigste Gefühl, welches mich begleitet hat und bis heute begleitet.

Ja, das Homeoffice wurde viel länger Realität, als ich Anfangs ("mal für 2 Wochen") oder auch noch nach den ersten Monaten erwartet hatte. Bald zwei Jahre sind es bisher. Das Arbeiten von zu Hause aus wurde zur Normalität und beschenkte mich trotz erhöhter Arbeitsstunden mit viel zusätzlicher Zeit, Ruhe und Flexibilität. Auch der Geschäftsverlauf der Firma entwickelte sich entgegen aller anfänglichen Befürchtungen gut. Immer wieder denke ich aber auch an die Menschen und Unternehmen, welche von der Reisebranche abhängig sind, in Event-Bereicht tätig wären, oder als Restaurants (zum Beispiel aufgrund ihrer Lage) während der Schliessungen nicht einfach auf "TakeAway" umstellen konnten.


Dennoch: dies ist ja eigentlich ein Reiseblog - und beim Reisen ergaben und ergeben sich für mich wie für viele Andere immer noch mehr als nur ein paar Handycaps. Auch hier kam mir zugute, dass ich mich von Anfang an darauf einstellte, dass nichts mehr selbstverständlich ist und dass eine langfristige, sichere Planung praktisch unmöglich war. Ziele im eigenen Land, in der Schweiz, wurden so beliebt wie kaum je zuvor, fürs Ausland wurde dafür enorm viel Flexibilität nötig. Entsprechend ist der aktuell beliebteste Beitrag im Geheimtippreisen-Blog ein schweizerischer: Ich liebe den Eichhörnchenweg in Arosa...

Im Vergleich zu den vorherigen Jahren lassen sich auch die verschiedenen Arten meiner Reisen im 2020 und 2021 recht kurz und einfach zusammenfassen: Skiweekend, Tagesausflug, Familienferien, viele "kleine Fluchten", Lieblingsregion und viiiel zu Hause.



Gehemtippreisen im 2020


 

Januar 2020

Emmental (2 Tage)
Die Region ist meine zweite Heimat, mein Rückzugsort und Ruhepol. Schon Anfangs Januar kehrte ich wieder ins Emmental zurück und schaute am Abend der Sonne zu, wie sie - typisch für die Wintermonate - im Wald neben einer Alpwiese unterging und dabei die letzten, immer schmaler werdenden Sonnenstrahlen in Richtung Tal schickte.




Zermatt (2 Tage)
Ein mittlerweile traditionelles Skiweekend in Zermatt stand Ende Januar 2020 an. Ich packte entspannt und leicht, liess die grosse Kamera daheim und plante keine grossen Ausflüge: Nur ein Mittagessen mit Freunden hatten wir abgemacht. Zu Fuss wanderten wir zur Restaurant-Hütte "Zum See" hoch.


Draussen genossen wir die Sonne und eine Flasche Wein und assen später eng zusammengedrückt an einem etwas zu kleinen Tisch. Wir waren fröhlich, machten Witze und Sprüche, erzählten, lernten wahlweise Französisch oder Deutsch voneinander, tranken mehr Wein und waren einfach zufrieden. Die Stimmung in der Hütte war ausgelassen und den Heimweg hinunter ins Tal nach Zermatt traten wir erst an, als es schon dämmerig wurde.


Mehr Ideen zu Zermatt findet ihr hier:
* (Klein) Matterhorn von Zermatt aus
* Von Zermatt hoch zum Gornergrat auf 3089 müM & 10 Tipps dazu




Februar 2020

Zoo Zürich (1 Tag)
In den letzten Jahren habe ich den Zoo seltener besucht als früher - nun war es mitte Februar wieder einmal so weit. Allerdings war nicht ich Hauptperson und das Fotografieren an erster Stelle, sondern mein kleiner Begleiter: Ein Tier nach dem anderen wurde gewünscht und wir gaben uns Mühe, eine schöne Route zusammenzustellen. Knapp vier Wochen später musste der Zoo wegen der Corona-Pandemie schliessen und wurde erst Anfang Juni 2020 wieder eröffnet. Ab dem 22. Dezember 2020 musste der Zoo wieder schliessen und erst seit dem 1. März 2021 dürfen die Aussenlagen wieder besucht werden - Tierhäuser und Restaurants blieben teilweise weiterhin geschlossen.


Einen spannenden Bericht zum Zoo Zürich findet ihr hier:
* Evolution und Exotarium im Zoo Zürich



März 2020

Was sich im Januar und Februar schon als diffuses Gefühl der Unsicherheit abzeichnete, wurde Anfang März 2020 immer dringlicher zur Gewissheit: das Coronavirus Covid-19 begann, sich auch ausserhalb Asiens auszubreiten und damit uns alle zu betreffen. Anfangs noch zögerlich ergab sich die Gewissheit, dass unser Reiseleben für einige Wochen eingeschränkt sein könnte - erste Massnahmen wurden in meiner Firma, in der Schweiz, in Europa ergriffen. Meinen Besuch der ITB in Berlin verschob ich auf ein anderes Mal, wenige Tage bevor die ganze Messe abgesagt wurde. Eine noch Ende Februar gebuchte Kurzreise nach London Mitte März musste ich ebenfalls stornieren - und sass stattdessen zu diesem Zeitpunkt bereits eine Woche abgeschirmt im Homeoffice.





April 2020

Normalerweise wäre ich im April mehrmals ins Emmental gereist, hätte im Familienkreis Ostern gefeiert, den Setzlingsmarkt von Pro Specie Rara besucht wie letztes Jahr und den einen oder anderen spontanen Städtetrip ins Auge gefasst. Nur: "Normal" war in diesem April gar nichts. So verbrachte ich den ganzen Monat weiterhin mit den Katzen zu Hause im Homeoffice und an den Wochenenden bei zumeist schönstem, warmem Wetter - mal aktiv, mal auf dem Liegestuhl dösend - im Garten.


Beklagen darf und will ich mich nicht: Das von der Regierung geforderte zu Hause Bleiben, welches in den Sozialen Medien unentwegt als #StayAtHome oder auch mal #StayTheFuckHome promotet wurde, ist mir im April trotz des Verzichts auf Reisen nicht besonders schwer gefallen. Wie eingangs schon erwähnt, waren wir froh um genug zu essen, genügend Platz drinnen wie draussen, kuschelige Katzen und eine stabile Partnerschaft.





Mai 2020

Emmental (9 Tage)
Gut zwei Wochen Ferien könnte man an vielen schönen Orten der Welt verbringen! Der Oman wäre unbedingt wieder einmal eine Reise wert, in Malta ist es im Mai schon schön warm und die Badetemperaturen steigen. Am meisten hätte uns jedoch dieses Jahr eine Reise mit dem Camper gelockt: quer durch die Schweiz und ins nahe Ausland. 

Die Grenzen jedoch waren noch immer geschlossen für nicht unbedingt nötige Reisen. So passten wir uns an und verbrachten bei schönstem, nur etwas windigem Wetter einige Tage im Emmental und den Rest der Zeit zu Hause - beides tolle Alternativen zu jeder Fernreise! Die Natur im Mai überwältigt mich immer wieder und ich bin überzeugt, dass der Monat auf jeden Fall zur schönsten Zeit des Jahres in der Schweiz gehört. 
 



Juni 2020

Emmental (6 Tage)
Nachdem ich im Mai wiederentdeckt hatte, wie gut mir diese Ruhe und die schönen, hügeligen Landschaften mir tun, folgten auch im Juni viele weitere Kurzreisen ins Emmental. Die längsten Tage des Jahres, sommerliche Wärme und jeden Abend andere Sonnenuntergangs-Stimmungen liessen jede Menge Feriengefühle aufkommen und es war tierisch schön. Müssen es immer ferne Reiseziele wie Australien oder der Oman sein? Es muss nicht! (aber ich vermisse sie dennoch ein wenig...)





Juli 2020
 
Italien (7 Tage) 
Die Ferien in der Toscana mit Familie und Freunden hatten wir schon Monate vor Corona geplant und gebucht. Nun standen sie auf der Kippe und mehrmals waren wir nahe daran, alles abzusagen und zu stornieren. Die Einreise ins damals von der Pandemie schwer getroffene Italien war bis drei Wochen vor unserem geplanten Ferienstart verboten. Und auch wenn: sollten wir nun alles riskieren, nachdem wir monatelang brav zu Hause geblieben waren? Meine letzten Recherchen beruhigten mich jedoch: die Ansteckungszahlen Italiens lagen im Juli 2020 mittlerweile unter denjenigen der Schweiz, dafür waren die Schutzvorschriften viel strenger. Wir wagten es (mit der nötigen Vorsicht) und wurden mit einer wunderbar erholsamen, entspannten, lustigen, zumeist sonnigen Woche belohnt. Natürlich war manches anders: alle Ausflüge in die Städte oder Marktbesuche haben wir gestrichen, der Tag am Strand war mehr ein "schauen, wie das so organisiert ist" und die Grosseinkäufe wurden schnellstmöglich und natürlich mit Maske absolviert, anstatt gemütlich nach lokalen Spezialitäten zu suchen. Der Pool aber war wunderbar - und unsere Gemeinschaft ein kleines Stückchen heile, normale Welt in dieser verrückten Zeit.




Emmental (5 Tage)
 
Auch ins Emmental zog es mich weiterhin, der Hochsommer war hier etwas weniger heiss, oft ging ein leichter Wind. Auch hier fand ich ein kleines Stück heile Welt, alles war etwas ruhiger, entspannter, "normaler". Das ist leicht gesagt, denn hier ist auch die Bevölkerungsdichte sehr viel tiefer, als in der Stadt. Corona und Corona-Massnahmen gibt es ganz einfach nicht, wenn man sowieso niemandem begegnet...




August 2020
 
Emmental (11 Tage)

Das Emmental blieb auch im August 2020 mein "Place to be". Ich genoss manche warme Sommerabende und exotisch scheinende Sonnenuntergänge beinahe wie in den Tropen... Eine weitere Erfahrung, die ich für mich und meinen Job nicht unbedingt erwartet hätte, durfte ich hier machen: Homeoffice ist dort, wo mein Laptop ist. Eine "digitale Nomadin" werde ich wohl dennoch nicht so schnell.



September 2020

Bündnerland (2 Tage)

Zwei September-Tage verbrachte ich im Osten der Schweiz, im Bündnerland. Den ersten Tag durfte ich nochmals richtig schönes Spätsommer- (oder Frühherbst-) Wetter geniessen, am zweiten Tag war hier oben der Herbst mit Nebelschwaden und etwas kühleren Temperaturen schon deutlich spürbar. 




Emmental (6 Tage)

Weiterhin war ich auch immer wieder im Emmental anzutreffen. Dort durfte ich einen Alpabzug miterleben, viel Natur und Ruhe geniessen und nochmals einiges an Sonne tanken.




Oktober 2020
 
Emmental (5 Tage)

Im Oktober stiegen die Corona-Zahlen in der Schweiz wieder deutlich an: hier war sie, die (nach historischem "Spanische Grippe" - Vorbild irgendwie schon erwartete) zweite Welle. Zeitgleich wurden per Anfang Oktober teilweise grössere Veranstaltungen wieder erlaubt. - Ja, in einer Demokratie hinken halt auch schnell beschlossene Massnahmen manchmal den noch schnelleren Entwicklungen hinterher. 
 
Noch immer war ich oft im Emmental unterwegs und der Herbst liess sich nun definitiv nicht mehr abstreiten: Dunst in der Luft und bunte Blätter an den Bäumen zeigten es deutlich. Dennoch: in einer windgeschützten Ecke gab es noch die eine oder andere Sonnen-Stunde im Bikini zu geniessen.



November 2020

Den November verbrachte ich nicht immer ganz fit hauptsächlich zu Hause. Die zweite Corona-Welle nahm an Fahrt auf und härtere Massnahmen wurden wieder heiss diskutiert. Masken gehörten zum neuen Bild in der Öffentlichkeit - alles ohne mich: zu Hause gab es kein Corona, keine Masken, keine Diskussionen. Irgendwie genoss ich diese Zeit des kuscheligen Rückzuges: draussen war es sowieso kalt und düster.



Dezember 2020

Kein Weihnachtsmarkt, kein Glühwein, keine Kurztrips... Die zweite Corona-Welle hatte uns fest im Griff und im Laufe des Monats wurden Läden, Restaurants und vieles mehr (wieder) geschlossen, der zweite "Lockdown" war da - und das kurz vor, beziehungsweise über Weihnachten. Es war der ruhigste Dezember, den ich je erlebt hatte. Ich war ganz einfach zu Hause und irgendwie genoss ich auch die Ruhe - besinnlicher war diese Zeit ehrlich gesagt wohl noch nie... 

Für meinen zweiten Blog: Romantischeslandleben schrieb und fotografierte ich damals endlich wieder einmal einen neuen Beitrag: "Kirschblüten zu Weihnachten - der Barbara-Zweig".




Geheimtippreisen im 2021


2021 wurde zu dem Jahr, in welchem ich - zum ersten Mal in meinem Leben - keinen Fuss ins Ausland gesetzt habe. Wer hätte das jemals gedacht? Im Sommer ist mein Pass abgelaufen. Was mich normalerweise in Panik versetzt hätte, liess mich nun komplett kalt, erst im Spätherbst liess ich ihn erneuern. Und das als Reisebloggerin? Ich lebte sehr gut damit! :-) Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich in der Schweiz gross herumgereist bin, auch wenn ich weiterhin viele Tage abseits von zu Hause im schönen Emmental genossen habe. 
 

Viele - wenn auch lange nicht alle - Länder wären mir als Reisende im 2021 mit 3G- oder 2G-Zertifikat während einiger Monate wieder offen gestanden. Eingesperrt war ich also ganz und gar nicht! Es hat mich schlicht nicht weggezogen. Die Vorstellung, mit einer Maske und dicht gedrängt mit unzähligen anderen Passagieren stundenlang in einem Flugzeug zu sitzen, hat mich erst recht abgeschreckt. Die Welt läuft mir hoffentlich in der Zwischenzeit nicht davon - und ganz offensichtlich dreht sie sich auch weiter, wenn ich nicht unterwegs bin.

Rund um mich herum sind Familie, Freunde und Bekannte wieder in die Ferien gereist, an die Wärme, ans Meer, in die Berge und in die Ferne. "Oh wie schön!" Habe ich beim Betrachten ihrer Fotos oft gedacht, vielleicht mit ein wenig Wehmut manchmal und doch ganz neidlos.

Oft habe ich im 2021 an vergangene Reisen gedacht, hatte Bilder im Kopf von schönen Orten, habe mich an kleine Abenteuer und beeindruckende Erlebnisse erinnert und war einfach nur extrem glücklich und dankbar, dass ich das alles erleben konnte. Besonders: die extrem intensive Reise durch mehrere Regionen Australiens im November 2019 - nach heutigem Ermessen "noch kurz vor Corona". Einen kleinen Eindruck davon erhält ihr hier: Die schönsten Sonnenaufgänge in Australien
Australien ist für normale Reisende wie mich auch jetzt noch unerreichbar, einfach "geschlossen". Ich kann mich nur nochmals wiederholen: Wer hätte das jemals gedacht?
 

Ich habe Glück, lebe weder vom Reisen, noch vom Bloggen. 2021 war eine kleine Auszeit von beidem, aber bestimmt nicht das Ende davon. In der Zwischenzeit hätte ich ja auch noch so viele Etappen, Fotos, und Erfahrungen vergangener Reisen zum bloggen - mir fehlte schlicht immer etwas die Zeit dafür. Erst im Oktober habe ich damit wieder angefangen und vor allem weitere Etappen unserer grossen Oman-Reise beschrieben.

Auch Fotos entstanden - sehr untypisch für mich - 2021 weniger als sonst. Manches ist nur im Herzen festgehalten, anderes sind private Schnappschüsse und der Rest ist zumeist eher unspektakulär. Auf meinem zweiten Blog: Romantischeslandleben seht ihr mit den Monatscollagen Oktober / November / Dezember doch wenigstens einen kleinen Einblick.



Nun liegt das Jahr 2022 vor uns: voller Hoffnungen und Pläne für viele! Auch ich kann mir gut vorstellen, endlich wieder die eine oder andere Reise zu unternehmen, unbeschwert Menschen zu begegnen, Freiheiten, Restaurants, Parties und (bald, bald...) locker den Sommer zu geniessen.
 
Ebenso schwebt aber momentan auch noch das Damoklesschwert "Omikron" über unseren Köpfen - mit der Gefahr, dass Impfungen weniger als bisher schützen, Ansteckungen noch schneller passieren und wieder viele Massnahmen und Einschränkungen nötig werden. Ein neues Jahr, welches ich einmal mehr im Homeoffice starten werde (bald sind es zwei Jahre, von wegen "zwei Wochen"). Ein Jahr, für das ich noch keine konkreten Reisepläne habe (zum Glück, die Bedingungen ändern ja ständig...) und das mir wohl wieder einiges an Flexibiliät abverlangen wird.

Dennoch: das neue Jahr 2022 liegt offen vor mir - ich freue mich und bin gespannt, was es bringen wird!
 
Liebe Reisegrüsse und gute Gesundheit euch allen
Miuh