Mittwoch, 25. April 2018

Oman Roadtrip: ursprünglicher Tier-Handel am traditionellen Viehmarkt in Nizwa

Schon während unserer ersten, grossen Oman-Reise lag Nizwa, die Stadt voller Geschichte und Ursprünglichkeit, auf unserer Route... nur leider nicht am Freitag - und nur am Freitag Morgen findet der traditionelle Viehmarkt von Nizwa statt.


Der freitägliche Tier-Markt wird zwar auch von einigen Touristen besucht, dennoch zeigt er noch immer autenthisch und beeindruckend das traditionelle Leben und Handeln im früheren politischen und religiösen Zentrum des Omans. Das wollte ich mir eigentlich nicht entgehen lassen!


Während unserer dritten Reise in den Oman hat es nun geklappt: ich konnte den Viehmarkt in Nizwa besuchen und erleben. Hier berichte ich euch von meinen Erlebnissen und Erfahrungen "mitten drin" im Trubel und gebe euch anschliessend einige Tipps dazu mit auf den Weg.



Unser Besuch des Viehmarktes in Nizwa:


Bevor wir zum Tier-Markt in Nizwa fuhren, wurde ich mehrmals gefragt: "willst Du das wirklich machen?" Ich bin Vegetarier und liebe Tiere sehr - ob also ein solcher Ort das Richtige für mich sein würde? Bisher hatte ich Gutes gehört, und tatsächlich: die meisten Leute am Markt waren extrem liebevoll zu den Tieren. Ja, teilweise gab es auch Gezerre und Geschubse, wenn ein Vierbeiner nicht so durch die Runde laufen wollte, wie die Besitzer... Aber der Markt war Alles in Allem ein schönes und kein schockierendes oder abstossendes Erlebnis. Wir haben auch gesehen, dass recht anständige Beträge für eine kleine Ziege bezahlt wurden - und meiner Meinung nach wird eben was viel Geld wert ist, oft auch besser behandelt.


Als wir kurz nach sieben Uhr Morgens auf dem Parkplatz ankamen, war dieser schon voller Autos. Dabei waren Pickups mit einigen Tieren darauf, es gab aber auch die landesüblichen Lieferwagen mit mehreren Dromedaren oder kleinen Schaf- und Ziegenherden darin - ein kleiner Vorgeschmack auf den Markt...


Hier sammelten wir erste exotische Bilder und Eindrücke, die wir von den Tier-Märkten zu Hause sicher nicht gewohnt sind, und schon auf dem Parkplatz boten sich zahlreiche Film- und Fotosujets.


Wir konnten uns losreissen und gingen direkt zum eigentlichen Viehmarkt: Dieser bestand aus einem runden Holzdach, unter dessen Mitte ein Steinpodest Händlern und Neugierigen eine gute, erhöhte Übersicht bietet. Darum herum verteilen sich mögliche Käufer und Schaulustige und dazwischen bildet sich eine Gasse, in welcher die Tiere rundherum geführt und lautstark angeboten und angepriesen werden.


Bei Interesse wird den Tieren ins Maul geschaut, Rücken und Bauch werden betastet, der Po wird angeschaut, der Gang, Augen, Füsse, usw. werden geprüft... Danach wird verhandelt, abgewiesen, vielleicht bei der nächsten Runde nochmals verhandelt - und wenn man sich schliesslich einig ist, auch gekauft und verkauft. Dabei läuft vieles auf Vertrauen: Wechselgeld wird irgendwo geholt und später vorbeigebracht.


Ausserhalb des Daches werden die Tiere angebunden, welche noch nicht verkauft wurden - und später auch diejenigen, welche schon die Besitzer gewechselt haben. Hier wachen zumeist Frauen und Kinder über Ziegen, Schafe und Rinder.


Dass Frauen ausschliesslich aus dem  Hintergrund bestimmen, wann welches Tier gekauft oder verkauft wird, wie anderswo beschrieben, konnte ich so nicht immer beobachten. Einige Frauen blieben bei den Tieren und organisierten, wann welches vorgeführt wird. Andere waren auch mitten beim Handelsplatz dabei und gleichzeitig gab es Männer, die selbständig über den Kauf und Verkauf bestimmten.


Nach etwa zwei Stunden wurden vermehrt Rinder rundherum geführt. Schnell weitete sich der Kreis und wo vorher noch alle dicht gedrängt standen, trat man nun automatisch zwei, drei Schritte zurück. Denn die grösseren Tiere können ziemlich wild sein und brechen schnell einmal aus...


Später standen dann immer weniger Händler am Kreis und nur noch vereinzelte Ziegen, Schafe oder Rinder wurden herumgeführt und angepriesen. Die neuen Besitzer hatten ihre kleinere oder grössere Gruppe an Tieren zusammen und machten sich nun daran, diese wegzuführen oder in ihre Autos zu laden.




Nochmals gab es viele Fotosujets und Möglichkeiten, die süssen Tiere zu sehen und Bilder aufzunehmen...

Überhaupt, durften wir immer mitten drin und dabei sein, den Tieren nahe kommen, alles beobachten, die Tiere ausführlich fotografieren... uns wurden gute Plätze mit Aussicht angeboten und wir fühlten uns überhaupt nicht als Störenfriede sondern willkommen an diesem doch sehr traditionellen und wichtigen Anlass.

Im Gegenzug haben wir uns auch möglichst respektvoll verhalten, uns eher zurückgenommen und nicht vorgedrängelt. Ausserdem haben wir den Menschen nicht "ins Gesicht fotografiert", sondern eher von weitem die ganze Szene oder die Tiere aufgenommen - gerne auch auf deren Augenhöhe und nicht von oben herab.

Es lohnt sich sehr, sich hier viel Zeit, Geduld und Ruhe zu nehmen. Auch wenn wir vielleicht Anfangs eher hinten standen, ergaben sich immer wieder und rundherum spannende Einblicke auf das Geschehen.



10 Persönliche Tipps und Empfehlungen zum Viehmarkt in Nizwa:


1. Die Anfahrt von Muscat dauert mit dem Auto (wir hatten jeweils ein Mietauto) je nach Ausgangsort in der Hauptstadt ca. 1.5 - 2.5 Stunden. Ab dem beeindruckenden Stadttor von Nizwa habt ihr nochmals ein Stück zu fahren, bis ihr schliesslich zum alten Stadtzentrum mit dem Souk gelangt. Um da Morgens um 7 Uhr beim Markt zu sein, müsst ihr also allenfalls sehr früh aufstehen und losfahren.

2. Das Golden Tulip Hotel ca. 20 - 25 Fahrminuten (mit Mietauto, Guide oder Taxi) ausserhalb von Nizwa war für uns der ideale Ausgangspunkt, um Morgens früh in nützlicher Zeit in der Altstadt und beim Markt zu sein.
Das Hotel bietet einen grossen Pool, um den nachmittags eine ausgelassene Stimmung herrscht, Kinder lachen, Spatzen pfeifen, Leute lesen oder reden... Abends wird dort das Buffet aufgebaut und rund um den Pool gegessen. Morgens und Mittags hingegen war es eher ruhig. Das Hotel wird gerne auch von verschiedenen Tour-Anbietern genutzt, weshalb ihr hier oft auch auf grössere Reisegruppen (z.B. Schweizer, Deutsche, Engländer, Italiener...) treffen werdet.
Nach Tripadvisor-Empfehlungen haben wir auf das Frühstück verzichtet (das wäre mir auch zu früh gewesen...) und dafür das Abendessen am Pool genossen. Dieses war zwar nicht wirklich authentisch Omanisch, aber dennoch gut, sehr vielfältig und anständig im Preis.

3. Das Morgenessen haben wir zwar ausgelassen, aber ich empfehle euch, Morgens zu frühstücken, falls ihr mögt, oder etwas zu Knabbern und auf jeden Fall genügend Wasser mitzunehmen. Alternativ könnt ihr euch vor Ort (zum Beispiel im Dattel-Souk, welcher gleich nebenan und ebenfalls ab 7 Uhr geöffnet ist) etwas zu essen kaufen.
Für die Hartgesottenen unter euch wird schon Morgens früh am Parkplatz grilliertes Fleisch in verschiedener Form verkauft...
Den ganzen Morgen in der Wärme und mit dem Geruch der Tiere in der Nase ohne etwas zu Essen oder zu trinken durchzustehen, wäre jedenfalls nicht so gemütlich und vielleicht zu viel für schwache Mägen.

4. Die Markt-Tage und Markt-Zeiten: Der Traditionelle Viehmarkt in Nizwa findet ausschliesslich am Freitag statt. Der Start ist um 7 Uhr Morgens, ab da werden vor allem Ziegen und Schafe verkauft, ab ca. 9 Uhr vermehrt auch Rinder und um ca. 10 Uhr ist Schluss. Die Stimmung am Markt, all die Begegnungen und Erlebnisse sind das frühe Aufstehen ebenso wie das dableiben bis am Schluss wirklich wert!
Später gibt es auch noch den Dattel-Souk, die Gemüse-Halle, Töpferwaren, Silberschmuck und vieles mehr zu entdecken.

5. Der Parkplatz vor dem Souk / Tiermarkt ist riesig. Ein Strässchen teilt den Platz und führt auf das Stadttor zu. Links davon auf dem grösseren Parkplatzteil stehen viele Viehwagen, es gibt aber auch eigens für Touristen reservierte Plätze. Auf dem Parkplatzteil rechts stehen eher einheimische Fahrzeuge und es gibt am Rand entlang ein Essensangebot (vor allem Fleisch-Spiesse). Haltet euch an die Anweisungen, falls ihr eingewiesen werdet und bringt etwas Gedult und Zeit mit.
Je nachdem, wo ihr euren Wagen abstellt, ist es möglich, dass ihr einparkiert werdet. Gebt euch anderseits Mühe, selbst möglichst keine anderen Fahrzeuge zu blockieren.

6. Zur Kleidung habe ich HIER bereits ausführlich geschrieben. Denkt daran, dass Nizwa im Gegensatz zu Muscat eine noch traditionellere Stadt ist.
Mit langen Hosen für Männer, einem langen Rock (oder ebenfalls Hosen) für Frauen und mindestens Schulterbedeckenden oder sogar langärmligen Oberteilen ohne grossen Ausschnitt liegt ihr absolut richtig.

7. Sonnenschutz ist wichtig, wenn ihr stundenlang draussen seid! Der Tiermarkt ist zwar direkt überdacht, aber falls ihr auch einmal auf der anderen Seite stehen oder später noch durch den Souk schlendern wollt, ist Sonnencreme, aber auch möglichst körperbedeckende Kleidung und am besten auch eine schützende Kopfbedeckung hilfreich.

8. Verhaltet euch zurückhaltend und höflich, drängelt nicht und stört die Händler und Tiere nicht. Bringt am besten viel Ruhe und Zeit mit - so werdet ihr bestimmt alles sehen!
Wer Rücksicht nimmt, wird gerne auch vorgelassen, man zeigt euch einen Platz mit guter Sicht und lässt euch gerne am Marktgeschehen teilhaben.

9. Fotografiert mit Anstand und Respekt, fotografiert den Leuten nicht einfach "ins Gesicht". Fragt allenfalls, wenn ihr gerne jemanden portraitieren möchtet und denkt daran, dass viele Frauen gar nicht fotografiert werden möchten.

10. Denkt an eure Sicherheit! Tiere (vor allem Rinder) können ziemlich wild werden und durchgehen, wer zuvorderst steht, kann dann schon einmal getroffen oder umgerannt werden.
Auch wenn ihr im Gedränge steht, kann euch einmal eine Ziege auf den Fuss stehen und einen blauen Fleck hinterlassen.


Ja, das frühe Aufstehen für all diese speziellen Erlebnisse am traditionellen Viehmarkt in Nizwa lohnt sich wirklich!

Meldet euch gerne, falls ihr noch Fragen oder Kommentare dazu habt und schaut auch bei der Übersicht zum ganzen Oman Roadtrip: eine abenteuerliche Traum-Reise durch das ganze Land vorbei, wo immer wieder neue Etappen hinzukommen.

Liebe Reisegrüsse
Miuh

P.S. Gerne zeige ich den traditionellen Tiermarkt auch bei den Montagsfreuden, beim Sonntagsglück und beim Freutag

1 Kommentar:

  1. Hi
    Ein sehr spannender Bericht über den Viehmarkt. War bestimmt sehr eindrücklich und ein unvergessliches Erlebnis.
    Werde noch weiter auf deiner Seite stöbern, den Reiseberichte finde ich sehr spannend, da wir auch gerne, aber zu wenig, unterwegs sind.
    Herzlich
    Marion

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