Donnerstag, 11. Oktober 2018

Schnorcheln mit Walhaien (Whale Sharks) bei den Daymaniyat Islands - ein Geheimtipp im Oman

Walhaie üben auf mich eine riesige Faszination aus, seit ich vor einigen Jahren in Westaustralien zum ersten Mal von diesen Tieren gehört habe und einem begegnen durfte.

Als ich vor einem Jahr hörte, dass Walhaie auch vor der Küste des Oman anzutreffen sindt, war mein Entschluss schnell gefasst: Eine Kurzreise in den Oman und ein Schnorchel-Ausflug wurden gebucht und gaben mir die Chance, den friedlichen Riesenfischen wieder zu begegnen. Was damals nicht geklappt hat, weil solche Natur-Begegnungen eben immer auch ein Geschenk sind, welches nicht erzwungen werden kann, wurde dafür diesen Herbst Realität:


Im ersten Teil dieses Berichts erzähle ich Euch von unseren Erlebnissen und Begegnungen mit den Walhaien und im zweiten Teil erfahrt ihr ein wenig mehr über diese wunderbaren Tiere und zum Schluss habe ich euch einige informative Links zum den Walhaien zusammengestellt:


1. Begegnung mit den Whale Sharks im Oman


Schon kurz nach 8 Uhr morgens fuhren wir ab der Al Muij Marina am Rand von Muscat wieder mit der wunderbaren Organisation Daymaniat Shells Sea Tours hinaus aufs Meer in Richtung Daymaniyat Islands.


Die Temperaturen stiegen schon über 30 Grad, in der Luft lag noch leichter Dunst, das Wasser war beinahe spiegelglatt - eine mystische Stimmung! Unser Boot fuhr anfangs mit hoher Geschwindigkeit übers Meer, ja wir flogen beinahe. Alle hielten Ausschau nach den Walhaien.

Plötzlich verlangsamte unser Guide die Fahrt - er hatte einen Schwarm "Milk Fish", "Milchfische" (Wiki-Link) gesehen. Diese mögen die gleiche Nahrung wie Whalesharks: Plankton und andere kleine Meerestiere. Milchfische sind etwa einen Meter gross und ihre oft knapp aus dem Wasser ragende Flosse hat ihnen den Beinamen "Touristenhai" eingebracht.


Tatsächlich: es dauerte nicht lage, da sahen wir auch schon die erste Flosse eines Walhais aus dem Wasser ragen. Auch wenn die riesigen Fische oft knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen, ist diese typische Haiflosse normalerweise das einzige, was vom Boot aus zu sehen ist. Unsere Hoffnung hatte sich erfüllt, welch ein Glück (und welch ein gutes Gespür unseres Guides für die Natur und die Tiere) in diesem riesigen Meer!


Wir zogen unsere Schnorchelausrüstung an und machten uns bereit. Beeilen mussten wir uns nicht, denn die Walhaie werden noch eine Weile hier bleiben - wenn wir uns an die Regeln halten und sie nicht vertreiben. Darstellungen von Whale Shark Regeln findet ihr im Netz verschiedenste.

Für uns als Schnorchler galt vor allem:
- nicht zu nahe zum Walhai hinschwimmen und ihn schon gar nicht berühren
- eher von der Seite oder von hinten, nicht aber von vorne auf den Walhai zu schwimmen
- nicht planschen, das heisst: nur langsam vom Boot ins Wasser gleiten lassen und nicht mit den Flossen schlagen

Andere Regeln haben wir automatisch erfüllt:
- unser Boot war das einzige (ansonsten müssten weitere Boote einen bestimmten Abstand einhalten)
- nur eine kleine Gruppe Schnorchler darf gleichzeitig ins Wasser
- keine Jetskis, nicht scuba tauchen, nicht fischen, nicht füttern

Und dann war es so weit:
Wir schwammen, versuchten uns zu orientieren, nicht zu planschen, die Haiflosse zu erspähen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein - und den Walhai zwar zu sehen, ihm aber nicht in die Quere zu kommen... ganz einfach war das nicht, dazu später noch mehr.


Was euch wahrscheinlich gleich auffällt: Die Qualität dieses Fotos ist - verglichen mit den Bildern, die man sonst teilweise im Netz findet - ziemlich schlecht. Dies liegt nicht nur daran, dass ich keine Profi-Unterwasser-Kamera habe, sondern auch an einem ganz speziellen Phänomen, welches wir zusätzlich zu den Walhaien erleben durften.

Gleich, als unser Boot bei den Milchfischen und den Walhaien angehalten hatte, fiel mir eine glänzende Schicht im Wasser auf. Zuerst war ich enttäuscht, dass an diesem paradiesischen Ort wohl Diesel oder Öl im Wasser schwamm, aber damit lag ich zum Glück absolut falsch:


Was hier schwamm und im Wasser trieb, waren Millionen von Fischeiern! Man konnte mit beiden Händen aus dem Meer schöpfen und hatte sie anstatt voller Wasser voller Fischlaich:


In der Vergrösserung seht ihr die kleinen (etwa 2 Millimeter Durchmesser), klaren Fischeier noch etwas besser. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele davon hier wohl im Wasser geschwebt sind, wenn man mit einem Griff so viele in den Händen hält...? Wahnsinn, oder?


An manchen Stellen war es ein Gefühl, als wären wir durch Pudding geschwommen, oder eben durch Kaviar - eine unfassbare Vorstellung und ein extrem beeindruckendes Erlebnis. Ein wenig kribbelte und brannte diese Masse auch auf der Haut, was uns aber nicht vom Schnorcheln abhielt.

Als ich wieder aus dem Wasser stieg, hatte ich nicht nur überall auf der Haut und in den Haaren Fischeier, auch mein Bikini-Oberteil und Unterteil waren damit gefüllt. Einige von uns probierten die kleinen, klaren Kügelchen auch und befanden, dass sie ganz einfach "salzig" schmeckten.

Natürlich fand ich es ein wenig schade, dass durch all diesen Fischlaich die Sicht auf die Walhaie nicht so gut war. Anderseits war vielleicht gerade diese Masse an Nahrung der Grund, dass die Whale Sharks überhaupt hier waren.


Bedingt durch all die Fischeier im Wasser war es nicht nur schwierig, zu fotografieren oder zu filmen, wir sahen die Walhaie oft auch erst, wenn sie ganz nahe an uns vorbeischwammen. Wow, was für ein Gefühl, wenn diese grossen Tiere im Wasser knapp an einem vorbeiziehen!

Manchmal tauchte ein Walhai wie aus dem nichts unter- oder neben mir auf. Nicht immer hielten sie sich an den Sicherheitsabstand, den wir eigentlich zu ihnen einhalten sollten... Könnt ihr euch vorstellen, wie schwierig (oder gar unmöglich) es ist, plötzlich schnell rückwärts zu schwimmen ohne mit den Füssen und Flossen gegen den Whale Shark zu strampeln? So blieb dann jeweils nichts anderes übrig, als ruhig zu bleiben und auf die Geschicklichkeit der riesigen Fische zu zählen.


Was mich immer wieder erstaunt hat bei der Begegnung mit diesen grossen Fischen, welche mir manchmal doch recht nahe kamen: dass ich keine Angst hatte. Natürlich weiss ich, dass ich für Walhaie absolut keine Beute bin und dass sie sehr friedlich sind. Und auch wenn ich sonst oft ein "Schisshas" bin: Bei der Begegnung mit den Whale Sharks habe ich nur eine grosse Freude, Ruhe, Ehrfurcht und Kraft gespürt.


Auch als ausdauernde Sportskanone bin ich sonst nicht bekannt, aber hier bei den Walhaien ist die Zeit wie im Flug vergangen. Ich hätte den ganzen Tag weiterschnorcheln und immer nochmals schauen, nochmals beobachten und staunen können.




2. Informationen über Walhaie / Whale Sharks


Walhai (oder eben Englisch: Whaleshark) - das tönt zuerst einmal irgendwie gefährlich: ein Hai, so gross wie ein Wal? Genau so ist es: Der Walhai ist nicht nur die grösste Hai-Art, sondern auch der grösste, heute noch existierende Fisch überhaupt!

Walhaie haben aber noch eine andere, sonst den Walen zugeschriebene Eigenschaft: ihre Beute schnappen sie nicht mit einem kräftigen Biss und scharfen Zähnen, sondern sie filtern und saugen mit offenem Maul durchs Meer schwimmend kleine Fische und Kleinstlebewesen aus dem Wasser.

Würdet ihr gerne einmal einem Walhai begegnen? Es ist für mich ein tief beeindruckendes, überwältigendes, vielleicht sogar ein lebensveränderndes Erlebnis, mit Whalesharks schnorcheln zu dürfen - und es ist alles andere als selbstverständlich. Wenn die Tiere sich gestört fühlen, etwa weil man sie verfolgt, oder im Wasser zu stark "plantscht", tauchen sie ab und sind innert kürzester Zeit verschwunden. Walhaie können problemlos 1000 Meter und tiefer tauchen - da habt ihr keine Chance, hinterher zu schwimmen.

Es gibt einige Orte auf der Welt, wo sich Walhaie aufhalten, zum Beispiel Westaustralien, Malediven, Philippinen, Mexiko, Mozambique... - oder eben noch relativ unbekannt und mein Geheimtipp: vor der Küste des Oman. Ganz berechenbar sind sie jedoch nicht: auch wenn es "Whaleshark - Seasons" gibt, richten sich die Tiere nicht nach gewissen Monaten, sondern schwimmen weite Strecken dorthin, wo gerade das Nahrungsangebot stimmt.

Leider sind Walhaie stark bedroht. Einem Schnorchler schwimmen sie zwar problemlos davon, um einem motorisierten Fischerboot zu entkommen, sind sie jedoch viel zu langsam und so werden Whalesharks weiterhin illegal gejagt und getötet.



3. Walhai - Links, Tipps und Informationen


- Ans Herz legen möchte ich euch für Muscat im Oman unbedingt den Anbieter Daymaniat Shells Sea Tours für einen Schnorchel-Ausflug zu den Walhaien. Die Guides sind erfahren, lieben und schützen die Natur und arbeiten verantwortungsbewusst. Eine Garantie für Whaleshark - Begegnungen gibt es nicht, aber ihr werdet auch sonst immer wunderschöne Schnorchel-Spots erkunden und auf jeden Fall auch viele andere schöne Tiere sehen. Einen Bericht über eine solche Tour findet ihr hier: Schnorcheln um die Daymaniyat Islands im Oman soll ein Geheimtipp bleiben! Alle Touren werden zu sehr vernünftigen Preisen angeboten und der Kontakt ist in Deutsch und Englisch (sowie Arabisch) möglich.

- Spannend ist der Wikipedia - Beitrag über Walhaie mit vielen Fakten zu Lebensweise, Verbreitungsgebieten, Aussehen und Verwandtschaft.

- Einen schönen Beitrag zu Mosambik (Mozambique), in welchem sie auch das Schnorcheln mit Walhaien erwähnt, hat kürzlich Anja von happybackpacker.de geschrieben.

- Ein charmanter Beitrag über Walhaie hat der Urlaubsguru geschrieben. Hier findet ihr auch weitere Orte, wo ihr mit den grossen Fischen schwimmen könnt.

Kennt ihr einen weiteren schönen Beitrag über Walhaie, oder habt gar selbst schon über sie geschrieben? Meldet euch doch gerne mit einem Kommentar.


Natürlich freue ich mich auch sonst sehr über eure Kommentare!
Schaut euch anschliessend gerne noch weiter um hier im Blog und abonniert ihn doch, wenn ihr mögt.

* mehr zum Oman findet ihr hier: Oman - Roadtrip: eine abenteuerliche Traum-Reise durch das ganze Land *

* und mehr Unterwasser-Erlebnisse hier: Schnorcheln um die Daymaniyat Islands im Oman soll ein Geheimtipp bleiben! *

Liebe Reisegrüsse, Miuh

P.S. Gerne zeige ich die Walhaie auch beim Sonntagsglück, beim Freutag und beim Natur-Donnerstag

Kommentare:

  1. Das war jetzt aber ein wirklich spannender und informativer Beitrag! Vielleicht sollte man diese Tiere aber auch besser in Ruhe lassen, allzuviele Besuche und Besucher bei diesen Tieren, ist für sie bestimmt auch nicht gerade förderlich? Ist es nicht so, je mehr man über die Walhaie schreibt, um so mehr Menschen möchten die gleiche Erfahrung machen wie Du?
    LG Heidi

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  2. Absolut faszinierend. Ich freue mich mit dir, dass du diese Erfahrung machen konntest und glaube dir aufs Wort, was diese Begegnung an Ruhe, Freude und Ehrfurcht bei dir ausgelöst hat... Lieben Gruß Ghislana

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  3. was für ein Erlebnis
    da bekommt man wirklich Gänsehaut und Ehrfurcht vor der Schöpfung

    ich denke es wird schon genau aufgepasst dass es nicht zu viel wird
    und für die Haie sind es ja nur irgendwelche Lebewesen wie andere Fische auch
    sie haben keine Ahnung von Menschen ;)
    wichtig nur dass man sich an die regeln hält

    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Liebe Miuh,
    Danke für den tollen Bericht!!
    Ich fand es richtig spannend, gerade so, als ob ich dabei gewesen wäre....
    Richtig aufregend. Tolle Bilder und es muss ein wunderschönes Erlebnis gewesen sein.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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